Georg Brandes – ein Kurzporträt
Georg Brandes wurde am 4. Februar 1842 in Kopenhagen geboren. Sein bewegtes Leben führte ihn durch viele Staaten in Europa. Prägende Eindrücke erfuhr er zunächst während seines Studiums in Paris, wo er Auguste Comte, Hippolyte Taine, Ernest Renan und John Stuart Mill kennenlernte. Er promovierte über Taine und übersetzte 1869, noch im Erscheinungsjahr der Originalausgabe, Mills Abhandlung "On the Subjection of Women" ins Dänische. Sein engagiertes Vorwort trug wie die Übersetzung selbst nachhaltig dazu bei, dass die ‚Frauenfrage’, die Ibsen in seinem bahnbrechenden Drama "Et Dukkehjem" ("Ein Puppenheim", 1879) behandeln sollte, auf die politische Tagesordnung in Skandinavien kam.
Immer wieder hat Brandes sich mit Dichtern, Denkern und Künstlern wie Goethe, Voltaire oder Michelangelo in biographischen Essays auseinandergesetzt und aus ihrem Werk Impulse für die Gestaltung der modernen Literatur, Kunst und Lebenswelt abgeleitet. Mit "Det moderne Gjennembruds Mænd" ("Die Männer des Modernen Durchbruchs", 1883) markierte er im Bewusstsein der Zeitgenossen genau den Durchbruch, den der programmatische Titel dieses Werkes ankündigt. Nachdruck erhielt das Werk mit Brandes Vorlesungen über "Die Hauptströmungen in der europäischen Literatur des 19. Jahrhunderts" (entstanden zwischen 1871 und 1890) sowie mit dem Nietzsche-Buch ("Aristokratisk Radikalisme", 1889). In ihrer Abfolge stellen diese Veröffentlichungen den Dreischritt dar, den Skandinavien auf dem Weg ins 20. Jahrhundert zurückgelegt hat.
