Herzlich Willkommen

auf der Website der Georg Brandes-Gesellschaft in Deutschland e.V.

Die Georg Brandes-Gesellschaft in Deutschland e.V. wurde im Frühjahr 2009 von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Europa-Universität Flensburg gegründet.

Die Gesellschaft hat sich nicht nur die Pflege und Erforschung des Werkes von Georg Brandes zum Ziel gesetzt, vielmehr sollen ausgehend von seiner Person Modernitätsdiskurse aus literatur- und kulturwissenschaftlicher Perspektive erforscht werden.

Als ein die Grenzen des nationalliterarischen Denkens seiner Zeit überschreitender Literaturkritiker war Georg Brandes (1842-1927) ein europäischer Kulturvermittler ersten Ranges. Im Anschluss an Reisen, die ihn nach London, Paris, Rom, München und Hamburg geführt hatten, forderte er 1871 in seiner Vorlesungsreihe an der Universität Kopenhagen über die Hauptströmungen in der europäischen Literatur des 19. Jahrhunderts eine Modernisierung der dänischen Literatur, die „von unserem Leben“ zu handeln habe: „Dass eine Literatur in unseren Tagen lebt, zeigt sich dadurch, dass sie Probleme zur Debatte bringt“. Eine ganze Generation junger Schriftsteller folgte diesem Aufruf, der zum skandinavischen „Modernen Durchbruch“ führte, einem realitäts- und gesellschaftskritischen Denk- und Literatursystem, dessen Auswirkungen bis in die Gegenwart ungebrochen sind. Die Werke von Autoren wie Jens Peter Jacobsen, Holger Drachmann, Henrik Ibsen, Knut Hamsun und August Strindberg, ebenso wie die Entdeckung Nietzsches durch Brandes nahmen dabei einen kaum zu überschätzenden Einfluss auf die moderne europäische Denk- und Literaturgeschichte.

Brandes stellte in seiner Zeit erstmals Fragen, die auch heute nichts von ihrer Modernität und Relevanz verloren haben. Mit ihm als Namensgeber und Portalfigur stellen wir uns bewusst in eine Tradition der Offenheit gegenüber neuen Zeitströmungen und Experimenten in der Kunst sowie der transnationalen wie interdisziplinären Vermittlung in Künsten und Wissenschaften.

Auf dieser Seite finden Sie Informationen zur Person von Georg Brandes, zu Publikationen und aktuellen Veranstaltungen der Georg Brandes-Gesellschaft in Deutschland e.V.

 


Aktuelle Publikation

 

Schriften der Georg Brandes-Gesellschaft Bd. 3:

Matthias Bauer (Hg.): Der Stadt- und Modernitätsdiskurs in Europa. Moderne und Antimoderne in Europa II. Hamburg: Igel 2018.

 

Die Stadt gilt als Schauplatz der Moderne. Modernisierung und Urbanisierung, heißt es, gehen Hand in Hand. Aber stimmt das für alle Städte? Gibt es nicht verschiedene Geschwindigkeiten der ‚Runderneuerung‘ und Ungleichzeitigkeiten zwischen der Entwicklung von Kultur und Infrastruktur, Lebenswelt und Gesellschaft – zumal denn, wenn nach der sinnlichen Wahrnehmung und künstlerischen Vermittlung dieser Entwicklung gefragt wird?

Anhand von London und Lübeck, Paris, Berlin und Wien sowie anhand von Texten, die zwischen der Mitte des 19. und der Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden, liefern die sechs Beiträge zu diesem Band einander wechselseitig ergänzende Antworten. Berücksichtigung finden aber auch die Stadtfotografie und Georg Brandes’ Überlegungen zum Nationalismus-Diskurs im Spannungsfeld von Moderne- und Antimoderne.

Christian Volkmann geht der Entwicklung Lübecks und den Rollen nach, die Emanuel Geibel, Erich Mühsam und Fanny von Reventlow in der Hansestadt gespielt haben.

Jan Gerstner beschreibt, wie Paris zwischen Fin de siècle und Avantgarde in der modernen Lyrik, insbesondere bei Apollinaire und Ivan Goll, sein Gesicht verändert.

Todd Heidt stellt dem Stadtbild, das Lazlo Willinger in seinen Berlin-Aufnahmen der 1920 Jahre entwirft, die Physiognomie entgegen, die zur gleichen Zeit Mario von Bucovich dieser Metropole verleiht.

Flemming Finn Hansen untersucht die zahlreichen Einlassungen Georg Brandes’ zur nationalen Frage und zum Verhältnis der Dänen und der Deutschen Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts.

Der Herausgeber folgt zunächst Fontane durch London und befasst sich dann mit literarischen Rückblicken auf das Wien von (vor)gestern aus der Feder von Stefan Zweig, Hermann Broch und Hilde Spiel.